Malt

Navidaten: 55.451762 / 9.037739 oder: Sønderskovgårdvej 2, 6650 Brørup, Museet på Sønderskov 


Dieser monumentale Runenstein mit einem Gewicht von 3,5 t - wurde am 03.04.1987 auf einem Feld des Landwirts Hans Sørensen, zwischen den Bauernhöfen St. Vindiggård und Ågård , bei Malt, einer kleinen Ortschaft dicht bei der Königs Au (Konge Å ) beim Pflügen gefunden. Der Stein lag dort wohl seit Jahrhunderten mit der beschriebenen Seite nach unten auf der Erde, weshalb die Runen in einem sehr gutem Zustand sind.

Zunächst ging man von einer Fälschung aus, wobei man annahm, dass die Runen erst seit ca. 100 Jahren auf dem Stein seien. Zwischenzeitlich durchgeführte Untersuchungen bestätigten jedoch die Echtheit.

Die Runeninschrift, mit 153 Zeichen im jüngeren Futhark eine der längsten Inschriften Dänemarks, wurde bislang nicht zweifelsfrei gedeutet. 

Die Inschrift besteht aus einem waagrechten und einem senkrechten Teil. Der waagrechte Teil besteht aus fünf vollen und einer unvollständigen Linie und stellt den unteren Teil der Inschrift dar. Der senkrechte Teil besteht aus zwei Runenlinien und zwei links davon befindlichen leeren Runenbändern. Möglicherweise fiel die Inschrift kürzer als erwartet aus. Die rechte der beiden senkrechten Linien enthält ein vollständiges jüngeres Futhark (von unten nach oben gelesen), das mit dem des Gørlevsteins 1/Seeland identisch ist. Außerdem befindet sich rechts von der waagrechten Inschrift die Ritzung eines kleinen stilisierten Menschengesichtes, das eine Ähnlichkeit mit der Christusdarstellung auf dem berühmten Runenstein Harald Blauzahns in Jelling aufweist.  

Die teilweise waagrechte Anordnung der Runeninschrift ist offenbar auf die Beschaffenheit des Steins zurückzuführen. Außer vom großen Jellingstein kennt man dies sonst nicht.

Die hier links aufgeführte Übersetzung geht auf einen Vorschlag der Philologin Karen Thuesen aus Uppsala/Schweden  zurück. Der Stein wird von ihr in die frühe Wikingerzeit - 8. Jahrhundert - datiert.  


Eine weitere Deutung von Kurt Braunmüller aus Hamburg, der den Stein in die 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts datiert, kommt zu einem völlig anderen Ergebnis:

waagrecht:

An jeden, der diesen Stein zu Gesicht bekommt / sieht, an jeden!

Vifrid-Thor machte diesen Gedenkstein für [seinen] Vater nach dessen Hinrichtung¹ / gewaltsamem Tod.

[Jeder, der (diesen Gedenkstein)] findet [und ihn] beschädigt, [den] sollen die Runen überlisten / betrügen, neuere (?) Freundschaftsrunen.

[Die] Sonne verfolgt jeden!

(?) - (magische Anrufung des Kriegsgottes Týr unter Verwendung des Zeichens für Auerochse) - mir fehlt ein Acker; schwerer Verlust, (?).

 

senkrecht:

Schlüpfrige Stelle! - (zweimaliger, beschwörender Anruf der) kleinen Sonne.

fuþąrkhniastbmlR (vollständiges jüngeres Futhark)

 

¹Denkbar wäre hier auch der Tod in einem Kampf

 

Diese Inschriftdeutung stammt aus der Abhandlung von Kurt Braunmüller "Der Maltstein - Versuch einer Deutung" in Frühmittelalterliche Studien, Band 26, 1992, S.149-164


Seit April 1991 ist dieser Neufund in Brørup ausgestellt.

Internet: http://www.sonderskov.dk/de (Teilweise auf in Deutsch verfasst)


Einige Fotos meiner 2013er Wikingertour (Malt - 20.08.2013) habe ich hier aufbereitet:

                   


Die Infos zu diesem Runenstein aus der dänischen Runendatenbank finden sich hier.