Navidaten: 56.02322 9.64238 oder: GI. Ryevej 11, 8740 Brædstrup


Sønder Vissing 1

Der Stein wurde im Jahre 1836 im östlichen Teil der Kirchhofeinfriedung von Sonder Vissing gefunden. Dort stand er tief in der Erde, als Seitenstein zur Pforte, teilweise abgedeckt von einem Seitenbalken. Die Inschrift war nach außen gewandt. 1838 wurde der Stein ins Waffenhaus der Kirche und 1897 in die Kirche verbracht, wo er nun unter der Orgel steht. 

Dieser Stein zählt zu den historischen dänischen Runensteinen, da man "Harald den Guten" wahrscheinlich als Harald Blauzahn, den Sohn Gorms des Alten, deuten kann. Jener Harald Blauzahn, der von ca. 940 bis 985 König von Dänemark war und den großen Runenstein von Jelling errichten ließ. Ganz sicher kann man dies jedoch nicht behaupten, da der hier verwendete Beinamen Haralds "der Gute" sonst nirgends bezeugt ist. 

Es wird hier außerdem überliefert, dass die Frau Harald Blauzahns Tove hieß - keine andere Quelle berichtet allerdings davon. Der Inschrift zufolge war sie die Tochter Mistives. Auch dieser ist vermutlich eine historisch bekannte Person, nämlich der Fürst Mystiwoj des slawischen Stammes der Abodriten (damals im östlichen Holstein ansässig). Die guten Beziehungen zwischen Harald Blauzahn und Mystiwoi (verstorben um 990) sind historisch bezeugt. Im Jahre 983 nutzten beide eine Schwächeperiode des deutschen Reiches aus; als Kaiser Otto II. eine Niederlage in Sizilien erlitten hatte, eroberte Harald einige umstrittene Grenzgebiete, während Mystiwoi Hamburg brandschatzte. 

Runologisch wird die Inschrift auf das 10. Jahrhundert datiert. Aufgrund des Inhaltes der Inschrift kann man die Datierung weiter eingrenzen und zwar auf ca. 980.  


 

Durch Birgit Sawyer (lehrt skandinavische Geschichte an der Universität Trondheim/N) wurde in dem gemeinsam mit ihrem Mann Peter Sawyer (emeritierter Professor für mittelalterliche Geschichte, zuletzt an der Universität Leeds in England. Er gilt als einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Wikinger und ihrer Zeit) verfassten Buch "Die Welt der Wikinger" (Die Deutschen und das europäische Mittelalter, Band 1, 2002, Siedler Verlag) im Anhang 4 "Die Jellinge-Dynastie" eine mir neue Interpretation der Inschrift und der damit verbundenen Geschichte vorgestellt.

Ihrer Auffassung nach liest sich die Inschrift wie folgt:

Tove, Mistives Tochter, ließ dieses Denkmal zum Gedenken an ihre Mutter errichten, Ehefrau Haralds des Guten, Gorms Sohn.

Der Inschriftteil "Ehefrau Haralds des Guten" bezieht sich demnach nicht auf Tove (im Gegensatz zu den Autoren der Standartwerkes zur Thematik "Danmarks Runeindskrifter") sondern auf ihre Mutter. Zur Begründung wird u.a. angeführt, dass wir in dieser Inschrift nichts über Toves Mutter erfahren - nicht einmal ihren Namen. In den anderen zeitgenössischen Runeninschriften, mit denen Frauen geehrt werden, sind aber stets deren Namen angegeben. Es wird weiter ausgeführt, dass Harald Mystiwoi eventuell überlebt hat und dessen Witwe heiratete, womit er Toves Stiefvater wurde. Durch die Inschrift erhob Tove nach Einschätzung von Birgit Sawyer Ansprüche auf eine ehrenhafte Stellung sowohl bei den Abodriten als auch bei den Dänen und wahrscheinlich auf Erbschaften von beiden Elternteilen.

Zur Datierung wird die Frage aufgeworfen, warum Tove von Harald Blauzahn nicht als König spricht, wenn der Runenstein zu dessen Lebzeiten aufgestellt wurde. Wenn der Runenstein nach Haralds Tod errichtet wurde, müsse die Inschrift im Hinblick auf die damalige politische Situation provozierend gewesen sein. Als mögliche Erklärung wird ausgeführt, dass Sven Gabelbart nach der Revolte gegen seinen Vater Harald Blauzahn auf Aussöhnung daheim aus war. 


Sønder Vissing 2

Zusammen mit dem größeren Stein 1 von Sønder Vissing wurde dieser Stein 1836 vom Pastor J.L. Rohmann gefunden. Er befand sich ebenfalls in der Kirchhofeinfriedung und lag mitten im Eingang, mit der Inschrift nach oben. 1838 wurde er herausgenommen und im Kirchhof aufgestellt. 1897 kam er ins Waffenhaus, wo er auch heute noch steht. 

Durch seine Verwendung im Kirchhofeingang war er starkem Verschleiß ausgesetzt gewesen, was besonders der Ornamentik geschadet hat, da sie nun nicht mehr genau zu verfolgen ist. 

Die schalenförmige Vertiefung auf der Oberseite des Steines diente möglicherweise  Trankopfern. Die rechte Seite ist mit Schalenzeichen versehen, was auf eine kultische Verwendung hindeutet.


Die Kirche ist normalerweise Dienstags bis Samstags von 9-17 Uhr und Sonntags von 12-16 Uhr geöffnet (ohne Gewähr!).


Diese Fotos habe ich bei meinem letzten Besuch in der Kirche am 24.08.2016 aufgenommen: