Skjern - 2 Runensteine

Navidaten: 56.45515 9.75259 oder: Gamle Randersvej 18, 8830 Tjele


Skjern 1

Listennummer : DR 80 / DK MJy 21


Transliteration:    ... usbiaur... | ... | ...ur : si(n) | ... harals : h...


 


Das Bruchstück war bis gegen Ende des Jahres 1830 im Fundament der Kirche von Skjern eingemauert, so dass einzelne Runen erkennbar waren. Durch den Pfarrer in Hjermind, Herrn Bjerregaard, der wegen einer vakanten Stelle zu der Zeit auch in Skjern die Messe abhielt, wurde er entdeckt. Er hat daraufhin eine schriftliche Nachricht an die Altertümerkommision in Kopenhagen auf den Weg gebracht. Das Bruchstück wurde auf seine Veranlassung hin herausgenommen und im Waffenhaus aufgestellt. Dort fand ihn im Jahre 1840 Rasmus Henrik Kruse (*07.08.1796 - †30.05.1877, Landschaftsmaler) vor. Er fertigte eine Zeichnung an, die sich heute in seiner Handschrift "Nørrejyllands Mærkværdigheder, II, Nr. 15 zwischen den S. 41 und 42" befindet und die in Kopenhagen im "Antikvarisk - Topografisk Arkiv" des Nationalmuseums verwahrt wird.

Erst im Jahre 1899 wurde das Bruchstück außen auf dem Kirchhof, bei dem großen Runenstein Skjern 2, aufgestellt.

Der Runenstein steht heute so wie er aufgestellt wurde auf dem Kopf und die Inschrift ist bei normalen Lichtverhältnissen so gut wie gar nicht mehr zu erkennen. Die Inschrift wird in die Zeit 970 - 1020 datiert. Sie verläuft auf einer Breitseite des Steins in Parallelordnung und beginnt in der unteren, rechten Ecke des Steins.


Das Runenstein Bruchstück findet Erwähnung in den beiden großen dänischen Runenwerken von

P.G. Thorsen (*07.08.1811 - †06.05.1883, Bibliothekar, Runenforscher und Historiker) -  De danske runemindesmærker beskrevne og forklarede, anden Afdeling, Jyllands Runemindesmærker, I. Afbildninger, 1879  -  Nr. 67.

und in dem von

Ludv. F.A. Wimmer (*07.02.1839 - †29.04.1920, Philologe und Runenforscher), De danske runemindesmærker undersøgte og tolkede af Ludv. F. A. Wimmer, Andet Bind, Runestenene i Jylland og på øerne. 1899-1901  -  Nr. 37, S. 177ff. Er hat den Runenstein persönlich vor Ort am 24. August 1877 und am 16./17. Juli 1882 untersucht. Er betitelt darin allerdings den kleineren Stein als "Skærn II" und den großen Runenstein als "Skærn I".

Die darin abgebildete  Zeichnung von Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator) möchte ich hier wiedergeben - eigener Scan.

 


Diese tolle Fotografie hat Poul Nørlund (*04.11.1888 - †26.05.1951, dänischer Kultur- und Kunsthistoriker sowie Mittelalterarchäologe - von 1938 bis 1951 Direktor des Dänischen Nationalmuseums) im Jahre 1924 aufgenommen.

Quelle: Digitale Datenbank des Nationalmuseums Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA  


Fotografie des dänischen Runologen Erik Moltke vom 09.07.1930.

Quelle: Digitale Datenbank des Nationalmuseums Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA


Im Vorfeld zu dem 2016 erschienenen Buch von Lisbeth M. Imer (*1973, Runologin am Nationalmuseum Kopenhagen) "Danmarks Runesten - en fortælling" reiste sie mit dem Fotografen Roberto Fortuna zur Bestandsaufnahme durch die Lande. Dieser hat die Runensteine abends bei Dunkelheit mit Schräglicht aufgenommen und darüber wirklich herausragende Fotos erzielt. Diese Aufnahme stammt vom 10.11.2011.

Quelle: Digitale Datenbank des Nationalmuseums Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA 


Den Eintrag zu diesem Runenstein aus der dänischen Runen Datenbank im Internet kann man hier abrufen.

Die Informationen in "Fund og Fortidsminder" zu dem Runenstein finden sich hier. Darin ist inzwischen dieser Zustandsbericht des Steinrestaurators Leif Vognsen aus dem Jahr 2018 eingebettet.

Über diesen Link finden sich zu dem Runenstein Informationen des Forschungsprojektes "Runes" der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.


Skjern 2

Listennummer : DR 81 / DK MJy 22


Transliteration: 

Seite A:     sąskiriþr : risþi : stin : finulfs : tutiR : at : uþinkaur : usbiarnaR : sun : þąh : tura : uk : hin : turutin : fasta :

Seite B:     siþi : sa : mąnr : is | : þusi : kubl : ub : biruti         


Dieser sehr ansehnliche und gut erhaltene Runenstein ​​wurde Anfang des Jahres 1843 vom damaligen Besitzer von Skjern-Gård, Herrn F. Borch, entdeckt, der zu dieser Zeit die Ruinen der alten Skjern-Burg ausgraben ließ, um den kalkhaltigen Boden als Dünger auf seinen Feldern zu verwenden. Sobald der in der nordöstlichen Ecke des Schlossparks liegende Stein ans Licht gekommen war, sorgte Herr F. Borch für eine sorgfältige Erhaltung. Eine vorläufige Information über den interessanten Fund wurde von Pastor Götzsche aus Vester Velling am 24.03.1843 an die Altertümer Kommision nach Kopenhagen,  an deren damaligen Sekretär Carl Christian Rafn (*16.01.1795 - †20.10.1864, Altertumsforscher) gesandt (Antiquarisk Tidsskrift 1843-45, S. 8 und S. 51. Pastor Götsche schickte am 27.05. und am 12.07.1843 auch zwei Mitteilungen bezüglich des Runensteins an Finnur Magnusson (dänisch auch Finn Magnusen; * 27. August 1781 in Skálholt/Island; † 24. Dezember 1847 in Kopenhagen, isländischer Philologe und Archivar).

Es war eigentlich die Absicht des Eigentümers Borch, den Stein zur Kirche von Skjern zu bringen, um ihn dort aufzustellen. Aber dieses Vorhaben war mit so großen Schwierigkeiten verbunden, dass man letzlich davon absehen musste, den schweren Brocken bis zur hoch gelegenen Kirche zu bringen. Er wurde deshalb außerhalb der Friedhofseinfriedungsmauer, direkt am Eingang abgelegt. Dort fand ihn Ludv. F.A. Wimmer bei seinen Untersuchungen sowohl 1877 als auch 1882 fast vollständig mit Erde und Gras bedeckt. Auf Initiative des Direktoriums für Denkmalpflege wurde er schließlich 1889 doch noch an der Kirche errichtet. Er war als Grundstein in einem Treppengang - im nördlichen Bau des nordöstlichsten Teils - des Skjern Schlosses verwendet worden, welches zu Anfang des 17. Jahrhunderts zerstört wurde und seither eine Ruine war.

Der Stein verfügt über einen doppelten Schutz vor Gewalteinwirkung gegen ihn. Im Mittelfeld ist eine abschreckende Maske - mit großen, runden leeren Augenhöhlen, einer u-förmigen Nase, geöffnetem Mund und einem geflochtenen Bart - eingeritzt und auf der Oberseite des Steines ist die Verfluchungsformel angebracht. Dadurch sollte verhindert werden, dass der Stein entfernt oder beschädigt wird. Offensichtlich hat die Drohung gewirkt, da der Stein sehr gut erhalten ist.

Diese Inschrift wird ebenfalls in die Zeit von 970 - 1020 datiert. Sie verläuft über zwei Steinseiten, beginnt auf der Breitseite (A) und wird auf der Oberseite (B) weitergeführt. Gelesen wird die in einer Spirale entlang der Steinkontur verlaufende Inschrift  (A) von rechts unten beginnend bis zur Mitte hin. Auf der Oberseite geht es in der vorderen Linie von rechts nach links weiter, dann wendet sich die Richtung auf der hinteren Linie von links nach rechts - Bustrophedon (abwechselnde Schreibrichtung).


Mehrere Zeichnungen von dem Runenstein fertigte auch Rasmus Henrik Kruse (*07.08.1796 - †30.05.1877, Landschaftsmaler) in den Jahren 1843 und 1856.


Carl Christian Rafn berichtete in seinem Werk von 1856  - "Antiquités de l'Orient, monuments runographiques" ab S. 204ff. über diesen Runenstein und fügte auf S. 205 diese Abbildung der Runenzeichen ein, wofür eine Zeichnung von Rasmus Henrik Kruse Pate stand.


George Stephens (*13.12.1813 - †09.08.1995, englischer Archäologe und Philologe) zeigt in seinem Werk "The old-northern runic Monuments of Scandinavia and England, Vol. II, 1867-68" auf der S. 789 diese frühe Zeichnung von Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator) - siehe Initialien "M.P." mittig direkt unter der Zeichnung - die wohl auf einer colorierten Zeichnung von Rasmus Henrik Kruse (*07.08.1796 - †30.05.1877, Landschaftsmaler) von 1856 beruht.

In seinem Werk "The old-northern runic Monuments of Scandinavia and England, Vol. III, 1884" macht er auf S. 336 - unter Hinweis auf seinen Aufsatz in Volume II, S. 789 - weitere Ausführungen zu diesem Runenstein und zu den Zeichnungen von Rasmus Henrik Kruse (*07.08.1796 - †30.05.1877, Landschaftsmaler) und von Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator).


Der Runenstein findet Erwähnung in den beiden großen dänischen Runenwerken von

P.G. Thorsen (*07.08.1811 - †06.05.1883, Bibliothekar, Runenforscher und Historiker) -  De danske runemindesmærker beskrevne og forklarede, anden Afdeling, Jyllands Runemindesmærker, I. Afbildninger, 1879  -  Nr. 22ff.

   

und von

Ludv. F.A. Wimmer (*07.02.1839 - †29.04.1920, Philologe und Runenforscher), De danske runemindesmærker undersøgte og tolkede af Ludv. F. A. Wimmer, Andet Bind, Runestenene i Jylland og på øerne. 1899-1901  -  Nr. 36, S. 170ff.

Diese u.a. Zeichnung von Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator) ist ein Scan aus der in meinem Besitz befindlichen Ausgabe.

Wimmer hat den Runenstein persönlich vor Ort am 24. August 1877 und am  16./17. Juli 1882 untersucht. Er betitelt in seinem Werk den kleineren Stein als "Skærn II" und den großen Runenstein als "Skærn I" - umgedreht zu den heutigen Bezeichnungen.

 


In dem 1905 erschienenen Buch von Alexander Bugge (*30.12.1870 - †24.12.1929, Professor, norwegischer Historiker), "Vesterlandenes indflydelse paa Nordboernes og saerlig Nordmaendenes ydre kultur, levesaet og samfundsforhold: I. Vikingestiden", führt er auf S. 340 aus, dass die Masken des Sjelle und des großen Skjern Steines wie Kopien der Maske des großen Aarhus Steins (Aarhus 4) aussehen.


Fotografie des dänischen Runologen Erik Moltke vom 09.07.1930.

Quelle: Digitale Datenbank des Nationalmuseums Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA


Im Vorfeld zu dem 2016 erschienenen Buch von Lisbeth M. Imer (*1973, Runologin am Nationalmuseum Kopenhagen) "Danmarks Runesten - en fortælling" reiste sie mit dem Fotografen Roberto Fortuna zur Bestandsaufnahme durch die Lande. Dieser hat die Runensteine abends bei Dunkelheit mit Schräglicht aufgenommen und darüber wirklich herausragende Fotos erzielt. Diese Aufnahmen stammen vom 10.11.2011.

   

Quelle: Digitale Datenbank des Nationalmuseums Kopenhagen - Detailaufnahme - Jeweils Lizenz: CC-BY-SA


Den Eintrag zu diesem Runenstein aus der dänischen Runen Datenbank im Internet kann man hier abrufen.

Die Informationen in "Fund og Fortidsminder" zu dem Runenstein finden sich hier. Darin ist inzwischen dieser Zustandsbericht des Steinrestaurators Leif Vognsen aus dem Jahr 2018 eingebettet.

Über diesen Link finden sich zu dem Runenstein Informationen des Forschungsprojektes "Runes" der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.


Über die Webseite www.biopix-foto.de kann man ein Foto des Runensteins mit gelb nachgezeichneten Runen anschauen.  


Literaturhinweis:

Skjern Slot - En undersøgelse af en borg og dens omgivelser gennem middelalder og renæssance, von Jan Kock & Mette Svart Kristiansen - in: KUML - Årbog for Jysk Arkæologisk Selskab, 2010, S. 129-177 - zum Runenstein Skjern 2 siehe S. 133ff.


Bei meinem letzten Besuch der Skjern Kirche Ort am 25.08.2016 konnte ich diese Fotos fertigen: