Øster Alling

 

Listennummer : DR 109 / DK MJy 66


Navidaten: 56.41228 10.31419 oder: Hovegaden 43, 8963 Auning


Transliteration:  : þuriR : ri=sþi | : stin : þani : aftiR | : fastulf : miuk-


 


Es gibt keinen Hinweis auf den ursprünglichen Standort des Runensteins. Er wurde unter der Kirchentür von Øster Alling entdeckt. Heute befindet er sich im Waffenhaus der Kirche.

Die Runeninschrift wird von den Runologen in die von 970 - 1020 datiert. Sie verläuft in drei parallel angeordneten vertikalen Linien und wird von links nach rechts, jeweils von unten nach oben gelesen.  


Von Ole Worm (*13.05.1588 - †31.08.1654, Arzt, Universalgelehrter und der Begründer der Runologie) war 1622 der dänische König Christian IV. dazu bewogen worden am 11. August 1622 einen Brief an die Bischöfe von Dänemark und Norwegen zu senden, um darüber die Pfarrer im Land aufzufordern alle Informationen zu Denkmälern, Runensteinen, Grabhügel usw. an ihn zu melden, um die älteste Geschichte Dänemarks zu beleuchten. Unterstützer oder gar treibende Kraft war wohl Christian Friis (*4. November 1581 auf Gut Krastrup in Farstrup - †01. Oktober 1639, dänischer Adliger und königlicher Kanzler). Der Originaltext dieses Briefes lautet auszugsweise: "Wor gunst tillforn. Wy bede Eder och wille, at I Eders mueligste flid ahnwender allewegne wdj Eders stigt att opsøge och antegne alle slags antiquiteter och documenter effter medfølgende fortegnelsis indhold, och att I saadanne med flid lader optegne och engang inden Paaske førstkommendis wdj wortt cantzelie lader indleffuere. Dermed skie wor willghe. Befalendis Eder Gud. Skreffuitt paa wortt [slott] Kiøbenhaffn, den 10. augusti anno 1622. Vnder vort signett.Christian."

Darüber findet dieser Runenstein von Øster Alling seine erste Erwähnung im Jahre 1623 durch Albert Holst (Glaser in Hornslet) in seinem Bericht an die Altertümerkommission in Kopenhagen der dazu auch die u.a. Aufzeichnung anfertigte. In den sogenannten "Præsteindberetninger  til Ole Worm 1623-25", also den Rückmeldungen der örtlichen Pfarrer zu der o.a. Aufforderung, finden sich auch die Mitteilungen von Albert Holst. Die eingegangenen Mitteilungen wurden zu einem späteren Zeitpunkt zusammengeheftet. An deren Ende finden sich Holts Abschriften einiger Runensteine, mit Bleistift paginiert von 61-69: Randers 1, Framlev, Vejlby, Øster Alling (Bl. 64), Gesing, Sønder Vinge 1 (Ulstrup), Stenalt, Glenstrup und Gesing. Wie Holst, dessen Namen ansonsten nicht überliefert ist, zu diesem Auftrag kam, bzw. warum er dies tat, oder wer ihm diesen Job gab, ist unbekannt.

Die Præsteindberetninger sind heutzutage online verfügbar unter: Frank Jørgensen, 1974, Præsteindberetninger til Ole Worm / 2 : Indberetninger fra Århus, Fyns og Lunde stifter 1623-25. Infos zu Holsts Aufzeichnungen finden sich ab Seite 7ff. (7 in der pdf-Datei). Seine eigentlichen Aufzeichnungen sind darin aber leider nicht enthalten, da sie nur ein Anhang waren. Auf der S. 14 (S. 35 in der pdf Datei) der eigentlichen Præsteindberetninger schreibt hingegen der damalige Pfarrer/Berichterstatter Niels Pedersøn eigenhändig, dass es in Vester und Øster Alling nichts gäbe, worüber zu berichten wäre!

Bei seiner Erfassungstour durch die Lande hat dann Jon Skonvig (*1600 - †1664, Pfarrer und der Runenzeichner für Ole Worm) - 1627 - eine Zeichnung angefertigt und diese Informationen dazu niedergeschrieben:: "Denne steen Findiss Vdi Aarhuss stifft i Sÿnderhall herridt Vdi Alling Kircke dør, oc Er aff haard graa Kamp 2 all lang och En allen bred. der Er ingen saugn om denne steen".

Die Zeichnung ist der Digitalen Datenbank des Dänischen Nationalmuseum entlehnt - Lizenz:  Public Domain    

Diese Aufzeichnungen von Jon Skonvig haben sich in "Den Arnamagnæanske Samling - A.M. 367 fol." erhalten. Über diesen Link kann die entsprechende originale Seite 2r der AM 367 fol. im Internet über www.handrit.is angesehen werden.

Diese Sammlung - zu deutsch: Arnamagnäanische Sammlung - hat die Aufgabe nordische, mittelalterliche Manuskripte zu erhalten und zu erforschen, die auf der Sammlung von Árni Magnússon (*13.11.1663 - †07.01.1730, Professor und Handschriften Sammler) basieren. Sechs Handschriften: A.M. 366 fol. - A.M. 371 fol. haben  sich darüber von  Jon Skonvig erhalten.


 

 

Über die Vorlage von Jon Skonvigs Zeichnung hat Ole Worm in seinem Werk "Danicorum Monumentorum Libri Sex", Hafniae, 1643, diesen Metallschnitt angefertigt, der darin auf der S. 288 wiedergegeben wird - Lizenz:  Public Domain.

 


 

Mit Datum vom 09.02.1652 erging die von Ole Worm initierte königliche Aufforderung zur Übersendung bestimmter Runensteine nach Kopenhagen hinaus ins Land. Der Text der Aufforderung hat sich bewahrt und findet sich inzwischen digitalisiert in der "Nordisk Tidsskrift for Oldkyndighed, Band 1, 1832, S. 326". Dort findet man die für diesen Runenstein betreffende Passage: "Gunde Rosenkrands til Callø Lehn: Alling-stenen". Wie man sieht kam er dieser Aufforderung aber nicht nach (Anmerkung: Gunde Rosenkrands, geboren am 2. Dezember 1604, gestorben am 2. Dezember 1675, war ein dänischer Adliger). Auch in anderen Gemeinden wurde die Übersendung unterlassen, wofür es die unterschiedlichsten Gründe gab. Seitens Ole Worm oder der dänischen Regierung wurde die Aufforderung zur Übersendung der Runensteine nicht wiederholt, zumal 1654 in Kopenhagen die Pest wütete, die auch zum Tod von Ole Worm in diesem Jahr führte.

 


 

Der Runenstein fand auch Erwähnung im Jahre 1654  durch Johannes Meier (*1606 - †1660, Lehrer und Verfasser ) in seiner handgeschriebenen "Liber Monumentorum Danicorum", Blatt 39r (Erhalten in der Königliche Bibliothek in Kopenhagen).

 


Weiterhin berichtet Peder Hansen Resen (*17.06.1625-01.06.1688, Historiker) in seinem Atlas Danicus, Band VI. S. 578f. über den Runenstein. Leider ist bei dem Großbrand in Kopenhagen von 1728 in der Universiätsbibliothek viel vom Atlas Danicus - 39 handgeschriebene Folianten - vernichtet worden. Auszug aus dem 1990 erschienem Nachdruck "Atlas Danicus - Møn" (Original/Dänisch/Deutsch): "Hier, auf dem Dachboden der Trinitatiskirche, wurden die reichen Bände von »Resens Atlas«, wie das Werk allmählich genannt wurde, fleißig studiert, abgeschrieben und manchmal sogar als Einzelteile ausgeliehen, bis sie 1728 mit der ganzen Universitätsbibliothek ein Raub der Flammen wurde".


Erik Pontoppidan berichtet in seinem Werk von 1768 "Den Danske Atlas" - Band IV - Cap. VIII., S. 285 (S. 15 (q) in der pdf-Datei) über den Runenstein: "WORMIUS Mon. Dan. Pag. 288 beretter, at uden for Alling Kirkedør laae en Steen, som før havde staaet paa et
andet Sted, hvorpaa stod med Runeskrift, at Thorer reiste denne Steen over Faskuls. Men han nævner ikke, om det er Øster eller Vester Alling". Übersetzung: "Wormius Mon. Dan. berichtet auf S. 288, dass außerhalb der Kirchentür von Alling ein Stein lag, der zuvor an einem anderen Ort gestanden hatte, auf dem in Runenschrift geschrieben stand, dass Thore diesen Stein über Fastulv errichtete. Aber es wird nicht erwähnt, ob es Øster oder Vester Alling ist."
 


 

Als der Runenstein im Jahre 1856 durch Rasmus Henrik Kruse (*07.08.1796 - †30.05.1877, Landschaftsmaler) untersucht wurde, lag er noch in der Türöffnung, von einer neuen Bodenfliese bedeckt. Kruse verhandelte mit dem Pastor Tørslev, worauf er herausgenommen und an der linken Seite der Eingangstür zur Kirche aufgestellt werden durfte.

 

 

Zeichnung von Rasmus Henrik Kruse (*07.08.1796 - †30.05.1877, Landschaftsmaler) von 1856.

 

Digitale Sammlung Nationalmuseum Kopenhagen - Lizenz:  Public Domain  

 


 

Durch Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator) wurde diese Zeichnung im Jahr 1869 für das Runenwerk von P. G. Thorsen (*07.08.1811 - †06.05.1883, Bibliothekar, Runenforscher und Historiker) - "De danske Runemindesmærker, beskrevne og forklarede af P.G. Thorsen – Anden Afdeling – Jyllands Runemindesmærker tilligemed Meddelelser om alle Øernes, Afbildninger og Text, 1869"  -  Nr. 27  - angefertigt - Google Scan.

 

 

 

 

Durch Ludv. F. A. Wimmer (*07.02.1839 - †29.04.1920, Philologe und Runenforscher) wurde der Runenstein am 31.08.1877 und am 15.07.1882 vor Ort untersucht. Seine Untersuchungsergebnisse / Ausführungen finden sich in De Danske Runemindesmaerker - Undersøgte og tolkede af Ludv. F. A. Wimmer, Bd. II, Runestenene i  Jylland og på Øerne. 1899-1901  -  Nr. 33, S. 167 ff. mit dieser Zeichnung von Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator), die von Ludv. F. A. Wimmer noch überarbeitet wurde.

 

 

 


 

 

Diese Fotografie hat der dänische Runologen Erik Moltke am 30.07.1930 aufgenommen

 

Digitale Sammlung Nationalmuseum Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA

 


 

 

Im Vorfeld zu dem 2016 erschienenen Buch von Lisbeth M. Imer (*1973, Runologin am Nationalmuseum Kopenhagen)  "Danmarks Runesten - en fortælling" reiste sie mit dem Fotografen Roberto Fortuna zur Bestandsaufnahme durch die Lande. Dieser hat die Runensteine mit Schräglicht aufgenommen und darüber wirklich herausragende Fotos erzielt. Dieses Foto stammt vom 08.03.2012.

 

Digitale Sammlung Nationalmuseum Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA

 


 

Bei meiner 2016er Wikingertour war ich am 25. August auch an der Kirche von Øster Alling. Leider war die Kirche verschlossen. Aber auf der Infotafel war die Telefonnummer des Küster, der erfreulicherweise sofort sein Kommen zusagte. Herzlichen Dank dafür auch nochmal auf diesem Weg. Herr Nielsen gab mir bei unserem Gespräch auch den Hinweis auf das wenige Tage zuvor erschienene Buch von Lisbeth M. Imer (*1973, Runologin am Nationalmuseum Kopenhagen)  "Danmarks Runesten - en fortælling" mit herausragenden Fotos des Fotografen Roberto Fortuna. Schon am nächsten Tag erwarb ich es in einem Buchladen in Hobro.

                           


 

Hier kann man die Informationen zu dem Runenstein in der dänischen Runendatenbank abrufen.

 

Die entsprechenden Eintragungen in "Fund og Fortidsminder" zu dem Runenstein finden sich hier. Darin eingebettet ist auch ein Zustandsbericht des Steinrestaurators Leif Vognsen aus 2018.

 

Über diesen Link finden sich zu dem Runenstein Informationen des Forschungsprojektes "Runes" der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.