Kolind

 

Listennummer : DR 108 / DK MJy 42


Navidaten: 56.36175 10.59123 oder: Kapelvej 1, 8560 Kolind


Transliteration:    tusti : risþi : stin | þąnsi : ift : tufa : is | uarþ (:) tuþr : ustr : burþu|r : sin : smiþr : ąsuiþaR


 


Dieser Stein wurde im Jahre 1868 von Kaplan E. Holst entdeckt, als er als Türschwelle zwischen Waffenhaus und Kirche lag. Kurz nach der Entdeckung wurde er in der Kirche aufgestellt, wo er heute noch steht. Im Nationalarchiv in Kopenhagen befindet sich eine undatierte, anonyme Zeichnung mit der Bermerkung "Opdaget 1868", die Kaplan E. Holst zugeschrieben wird. Außerdem existiert ein mit dem Datum 19.12.1869 versehener Brief von Kaplan E. Holst an Jens Jacob Asmussen Worsaae (*14.03.1821 - †15.08.1885, dänischer Archäologe und Vorgeschichtler. Er zählt zu den Wegbereitern der prähistorischen Archäologie), der sich in  P. G. Thorsens runologischer Sammlung bewahrt hat.

Der Stein ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Oberhalb der Inschrift sind die Reste eines doppelten Spiralornaments erkennbar. Die Inschrift hat einen Verlauf nach dem sogenannten  Bustrophedon (Zeilenweise abwechselnde Schreibweise "hin und her wie ein Ochse beim Pflügen". Die Inschrift verläuft nämlich von links unten nach oben, die zweite Zeile wird von oben nach unten, die dritte Zeile wird wie die erste von unten nach oben und die vierte Zeile wieder von oben nach unten gelesen.

Ferner ist es der einzige dänische Runenstein , der die Fahrt nach Osten unmittelbar erwähnt.


In den beiden großen dänischen Runenwerken von

P. G. Thorsen (*07.08.1811 - †06.05.1883, Bibliothekar, Runenforscher und Historiker) -  De danske runemindesmærker beskrevne og forklarede, anden Afdeling, Jyllands Runemindesmærker, Afbildninger og Text, I. Afbildninger, 1879  -  Nr. 41 - Google Scan

und von

Ludv. F. A. Wimmer (*07.02.1839 - †29.04.1920, Philologe und Runenforscher), De danske runemindesmærker undersøgte og tolkede af Ludv. F. A. Wimmer, Band I.2 - De historiske runemindesmarker, 1895  -  Nr. 15, S. 135 - eigener Scan. Er hat den Runenstein persönlich vor Ort am 01. September 1877 untersucht,

wurden jeweils Zeichnungen von Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator) aufgenommen, die ich hier wiedergeben möchte:

     

                        in  P. G. Thorsen                                                                        in     Ludv. F. A. Wimmer


Durch den dänischen Runologen Erik Moltke wurde dieses Foto am 02.08.1930 aufgenommen.

Digitale Sammlung Nationalmuseum Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA


Im Vorfeld zu dem 2016 erschienenen Buch von Lisbeth M. Imer (*1973, Runologin am Nationalmuseum Kopenhagen) "Danmarks Runesten - en fortælling" reiste sie mit dem Fotografen Roberto Fortuna zur Bestandsaufnahme durch die Lande. Dieser hat die Runensteine mit Schräglicht aufgenommen und darüber wirklich herausragende Fotos erzielt. Diese Fotografie stammt aus dem März 2012.

Digitale Sammlung Nationalmuseum Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA


Erstmals war ich am 10.08.1991 in Kolind - siehe Foto linker Frame. Am 25.08.2016 fand ich endlich mal wieder den Weg nach Kolind. Leider war die Kirche verschlossen. Aber Dank der Infotafel, die an jeder Kirche in Dänemark Auskunft zum Priester, Küster usw. gibt, war es mir möglich den Küster (Graver) telefonisch vor Ort zu bitten. Nach anfänglichem Zögern - es war schon knapp 18 Uhr - kam er dann doch vor Ort - Besten Dank dafür! Die Fotos der Kirche / Runensteine habe ich hier:

           


Die dänische Runendatenbank im Internet hat hier Infos zu diesem Runenstein.

Der entsprechende Eintrag in "Fund og Fortidsminder" ist hier verlinkt. Darin ist inzwischen auch dieser Zustandsbericht aus 2018 des Steinrestaurators Leif Vognsen eingebunden.

Über diesen Link finden sich zu dem Runenstein Informationen des Forschungsprojektes "Runes" der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.


Über die Webseite "www.biopix-foto.de" findet sich über diesen Link ein hochauflösendes Foto des Steins mit eingefärbten Runen, was eine deutlich verbesserte Erkennbarkeit mit sich bringt.


Auf der Webseite von Jonas Lau Markussen findet sich dieser Eintrag zum Runenstein von Kolind mit einer Zeichnung der Inschrift/Ornamentik.