69 - Kolind     -     Letztes Update 15.02.2023

 

Listennummer : DR 108 / DK MJy 42


Navidaten: 56.36175 10.59123 oder: Kapelvej 1, 8560 Kolind


Transliteration:    tusti : risþi : stin | þąnsi : ift : tufa : is | uarþ (:) tuþr : ustr : burþu|r : sin : smiþr : ąsuiþaR


 


Dieser Stein wurde im Jahre 1868 von Kaplan Erik Holst (1861-71 Pfarrer in Lyngby) entdeckt, als Türschwelle zwischen Waffenhaus und Kirche liegend.  Im Nationalarchiv in Kopenhagen befindet sich eine undatierte, anonyme Zeichnung mit der Bermerkung "Opdaget 1868" bewahrt, die Kaplan Erik Holst zugeschrieben wird und die wohl mit seiner schriftlichen Fundanmeldung per Brief an Jens Jacob Asmussen Worsaae (*14.03.1821 - †15.08.1885, dänischer Archäologe und Vorgeschichtler. Er zählt zu den Wegbereitern der prähistorischen Archäologie) ging. Auf dessen Veranlassung hin wurde der Runenstein in der Kirche aufgestellt, wo er heute noch steht.

Bildquelle

Außerdem existiert ein mit dem Datum 19.12.1869 versehener Brief von Kaplan Erik Holst an Prof. P. G. Thorsen, dem wohl ebenfalls eine Zeichnung beigefügt war. Dessen Nachlass (Bezeichnet als: P. G. Thorsens optegnelser, tegninger m.m. vedrørende runer og runemindesmærker - überführt aus der Kopenhagener Universitätsbibliothek 1929 - Gemäß Ministerialschreiben vom 04.03.1929; früher benannt als Additamenta 612 kvart) - findet sich heutzutage in der Königlichen Bibliotek unter NKS 3296 kvart (in mehreren einzelnen Pappschachteln). In der Pappschachtel mit der Nummer 6 fand ich bei meinem Aufenthalt am 28.09.2022 die Zeichnung und den Brief, wovon ich diese Fotografien anfertigen durfte.

           

Die Zeichnung weist im oberen rechten Eck den Vermerk "22.12.69 fra E. Holst" auf. Der Brief mit der Zeichnung ging wohl am 22.12.1869 bei Prof. P. G. Thorsen ein, was er mit Bleistift auf dem ersten Blatt des Briefes vermerkte.


Der Runenstein ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Oberhalb der Inschrift sind die Reste eines doppelten Spiralornaments erkennbar. Die Inschrift hat einen Verlauf nach dem sogenannten  Bustrophedon (Zeilenweise abwechselnde Schreibweise "hin und her wie ein Ochse beim Pflügen". Die Inschrift verläuft nämlich von links unten nach oben, die zweite Zeile wird von oben nach unten, die dritte Zeile wird wie die erste von unten nach oben und die vierte Zeile wieder von oben nach unten gelesen.

Ferner ist es der einzige dänische Runenstein , der eine Fahrt nach Osten unmittelbar erwähnt.


In den beiden großen dänischen Runenwerken wird der Stein natürlich abgehandelt.

P. G. Thorsen (*07.08.1811 - †06.05.1883, Bibliothekar, Runenforscher und Historiker) hat in seinem Runenwerk "De danske runemindesmærker beskrevne og forklarede, anden Afdeling, Jyllands Runemindesmærker, Afbildninger og Text, I. Afbildninger, 1879" unter der Nr. 41 diese Zeichnung von Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator) veröffentlicht.

In seinem im Jahr 1880 erschienenen Band II / Text macht er auf den Seiten 121-122 Ausführungen zu diesem Runenstein.

In seinem oben bereits erwähnten Nachlass fand ich bei meinem Besuch in der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen in der Pappschachtel mit der Nummer 17 auch noch diese tolle Zeichnung von Magnus Petersen, die er auf den 24.06.1870 datiert hat.


Ludv. F. A. Wimmer (*07.02.1839 - †29.04.1920, Philologe und Runenforscher) bringt seine Studien in seinem großformatigen Runenwerk "De danske runemindesmærker undersøgte og tolkede af Ludv. F. A. Wimmer, Band I.2 - De historiske runemindesmarker, 1895" unter der Nr. 15, S. 135 - eigener Scan. Er hat den Runenstein persönlich vor Ort am 01. September 1877 untersucht. Bei seiner Interpretation der Inschrift ließ er sich allerdings von Wunschvorstellungen leiten und ordnete das Ereignis im Zusammenhang mit der Schlacht bei Svold ein. Bereits seine Nachfolgerin im Amt, Dr. Lis Jacobsen (*29.01.1882 - †18.06.1961, dänische Runologin und Archäologin), hat in mehreren Artikel gegen dessen fantasievollen Deutungen Stellung bezogen - siehe unter Sjelle.

Auch hier wurde von Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator) eine Zeichnung aufgenommen, die ich hier wiedergeben möchte:

        

Ludv. F. A. Wimmer hat seine jahrelangen Aufzeichnungen der "Kgl. Bibliotek" in Kopenhagen überlassen. Ein Verzeichnis darüber wurde 1915 in Buchform herausgegeben - "Collectio runologica Wimmeriana : Fortegnelse over Ludv. F. A. Wimmers runologiske o. a. Samlinger i Det kgl. Bibliotek". Es ist inzwischen auch als Digitalisat im Internet abrufbar.

In seinen Unterlagen in der Bibliothek befinden sich unter "III - Originaltegninger af de danske Runemindesmærker, udførte paa Undersøgelsesrejserne af Magn. Petersen og kontrollerede paa Stedet af Ludv. Wimmer, samt Prøvetryk af de paa Grundlag af de nævnte Tegninger, Aftryk o. s. v. til „De danske Runemindesmærker" udførte Afbildninger med Wimmers Rettelser"

   

zu dem Runenstein von Kolind unter der Nr. 15 Aufzeichnungen von 1877, wobei ich am 27.09.2022 diese Zeichnung von Magnus Petersen - datiert auf den 01.09.1877 - fotografieren durfte.


Erik Moltke (*04.04.1901 - †19.10.1984, Runologe, Historiker) hat dieses Foto am 02.08.1930 aufgenommen.

Digitale Sammlung Nationalmuseum Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA


Im Vorfeld zu dem 2016 erschienenen Buch von Lisbeth M. Imer (*1973, Runologin am Nationalmuseum Kopenhagen) "Danmarks Runesten - en fortælling" reiste sie mit dem Fotografen Roberto Fortuna zur Bestandsaufnahme durch die Lande. Dieser hat die Runensteine mit Schräglicht aufgenommen und darüber wirklich herausragende Fotos erzielt. Diese Fotografie stammt aus dem März 2012.

Digitale Sammlung Nationalmuseum Kopenhagen - Lizenz: CC-BY-SA


Erstmals war ich am Samstag, 10.08.1991 in Kolind - siehe Foto linker Frame. Am Donnerstag, 25.08.2016, fand ich dann erneut den Weg nach Kolind. Leider war die Kirche verschlossen. Aber Dank der Infotafel, die an jeder Kirche in Dänemark Auskunft zum Priester, Küster usw. gibt, war es mir möglich den Küster (Graver) telefonisch vor Ort zu bitten. Nach anfänglichem Zögern - es war schon knapp 18 Uhr - kam er dann doch vor Ort - Besten Dank dafür! Die Fotos der Kirche / Runensteine habe ich hier:

           

Im Rahmen meiner 2022er Jütland Wikinger Tour war ich nun nochmals am Mittwoch, 15.06.2022, in Kolind um die Kirche zu besuchen. Dabei hatte ich ausführlich Zeit für diese Fotos gehabt.

               

                             


Die dänische Runendatenbank im Internet hat hier Infos zu diesem Runenstein.

Der entsprechende Eintrag in "Fund og Fortidsminder" ist hier verlinkt. Darin ist inzwischen auch dieser Zustandsbericht aus 2018 des Steinrestaurators Leif Vognsen eingebunden.

Über diesen Link finden sich zu dem Runenstein Informationen des Forschungsprojektes "Runes" der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.


Über die Webseite "www.biopix-foto.de" findet sich über diesen Link ein hochauflösendes Foto des Steins mit eingefärbten Runen, was eine deutlich verbesserte Erkennbarkeit mit sich bringt.


Auf der Webseite von Jonas Lau Markussen findet sich dieser Eintrag zum Runenstein von Kolind mit einer Zeichnung der Inschrift/Ornamentik.