Ferslev

Listennummer : DR 145 / DK NJy 43


Navidaten: 56.95129 9.89720 oder: Rævedalsvej 1, 9230 Svenstrup J


Transliteration:   (t)uki : sati : stin : þąnsi : aft : | : ąsta : sun : sin : lutaris : sun


 


Der Runenstein wurde erstmals im Jahre 1654 durch Johannes Meier († ca. 1660 - Lehrer und Verfasser) in seiner handgeschriebenen "Liber Monumentorum Danicorum" erwähnt (Königliche Bibliothek, Zeichnung auf Blatt A 5 a). Er berichtet darin, dass der Stein um 1120, beim Bau der Kirche, von einem Hügel bei Voldsted (ca. 5 km südlich von Ferslev) herbeigebracht worden sei. Seine Zeichnung wurde im Jahr 1741, durch Erik Pontoppidan (der Jüngere, *03.09.1698 - †20.12.1764, dänisch-lutherischer Bischof, Theologe und Autor) in seinem Werk "Marmora Danica selectiora. 2", Seite 233, wiedergegeben . Dieses Werk/Zeichnung findet sich in einer digitalisierten Ausgabe im Internet über die Bayerische Staatsbibliothek / MDZ Münchener DigitalisierungsZentrum Digitale Bibliothek. Einen Screenshot gebe ich hier wieder:

Schon damals war der Stein als Baumaterial zurechtgehauen und in der Kirche vermauert worden. Er saß nämlich in der Triumphmauer der Fersle-Kirche, aber so, dass die unteren beiden Wörter hinter der Nordwand des Chores verborgen waren. Deshalb wurden diese im Jahre 1878 freigelegt. Irgendwann päter wurde er dort wieder komplett herausgenommen und an seinem heutigen Platz, der westlichen Wand des Waffenhauses, eingemauert. Aber er wurde leider liegend und nicht der Leserichtung folgend senkrecht vermauert. Der Runenstein wird in den Zeitraum 970 bis 1020 datiert. Die Inschrift verläuft bustrophed (abwechselnde Schreibrichtung) in der unteren Linie von links nach rechts und in der oberen Linie entgegengesetzt.


Erik Pontoppidan (der Jüngere, *03.09.1698 - †20.12.1764, dänisch-lutherischer Bischof, Theologe und Autor) berichtet in seinem anderen bedeutenden Werk "Den danske Atlas" - Tomus V, Cap 1, Bind 1, S. 55 b (S. 33 b in der pdf-Datei) nochmals über diesen Runenstein: "Kirken har Taarn, og ellers intet af Merkværdighed, undtagen at ved Chorsdøren er i Muren indsattet en Runesteen, som ikke fndes i Wormii Monumentis, derpaa læses: Lutaris sati stin donsi aft Osta sun sin, det øvrige skiules af Muren." 


Diese zeichnerische Darstellung des Runensteins stammt aus dem Jahre 1776 von Søren Abildgaard (*18.02.1718 - †02.07.1791, Zeichner, Kupferstecher und Geologe). Das Originalblatt hat die Maße 16 x 24 cm.

Der handschriftliche Text von Søren Abildgaard lautet:

"Denne Runesteen findes indsat i Muren, som skiller Choret fra den øvrige Deel af Ferslöv Kirke i Fleskum Herred. Steenen sidder ikke paa den Side af Muren, som vender op mod Choret, men vender ned til Stolestaderne, hen i Nordlige Hiörne, saaledes at den ene Ende af Runesteenen gaaer ind i Kirkens nordlige Muur. Stenens Længde staar paa tvers i Muren. (på tværs i forhold til stenen dens indskrift: ...Sat Stin donsi eft. Osta Sun sin Luta ris.)"

Der digitalen Sammlung des Nationalmuseums Kopenhagen entlehnt. Lizenz: CC-BY-SA

Meinen Recherchen nach werden im dänischen Nationalarchiv weitere Zeichnungen des Runensteins aus den Jahren 28.05.1810 von Pastor Mörch, 1833 von Pastor Lyngbye und 1850 wohl von Rasmus Henrik Kruse verwahrt.


Durch George Stephens wurde in seinem Band 2 der "The Old-northern Runic Monuments of Scandinavia and England, 1867-68", auf Seite 673 die Zeichnung des Runensteins von Rasmus Henrik Kruse (*07.08.1796 - †30.05.1877, Landschaftsmaler) wiedergegeben, die er bei seinen Recherchen in den Archiven in Kopenhagen fand.


In den beiden großen dänischen Runenwerken von

P. G. Thorsen (*07.08.1811 - †06.05.1883, Bibliothekar, Runenforscher und Historiker) -  De danske runemindesmærker beskrevne og forklarede, anden Afdeling, Jyllands Runemindesmærker, I. Afbildninger, 1879, Nr. 35 - Google Scan

 und von

Ludv. F. A. Wimmer (*07.02.1839 - †29.04.1920, Philologe und Runenforscher), De danske runemindesmærker undersøgte og tolkede af Ludv. F. A. Wimmer, Andet Bind, Runestenene i Jylland og på øerne. 1899-1901, Nr. 32, S. 165 - eigener Scan. Er hat den Runenstein persönlich vor Ort am 13.August 1878 und nochmals am 22.07.1882 untersucht.

 wurden jeweils Zeichnungen von Magnus Petersen (*04.09.1827 - †01.02.1917, Archäologischer Zeichner und Restaurator) aufgenommen, die ich hier wiedergeben möchte:

       

             bei P. G. Thorsen                                            bei Ludv. F. A. Wimmer


Der dänische Runologe Erik Moltke hat dieses Foto am 17.05.1931 aufgenommen (Foto von mir zugeschnitten).

Der Digitalen Sammlung des Nationalmuseums Kopenhagen entlehnt - Lizenz: CC-BY-SA  


Im Vorfeld zu dem 2016 erschienenen Buch von Lisbeth M. Imer "Danmarks Runesten - en fortælling" reiste sie mit dem Fotografen Roberto Fortuna zur Bestandsaufnahme durch die Lande. Dieser nahm dieses Foto des Runensteins bei der Tour am 20. März 2012 auf. Der Digitalen Sammlung des Nationalmuseums Kopenhagen entlehnt - Lizenz: CC-BY-SA 


Der Eintrag in der dänischen Runendatenbank mit allen Informationen findet sich hier.

Die Informationen in "Fund og Fortidsminder" zu dem Runenstein finden sich hier. Darin ist inzwischen dieser Zustandsbericht des Steinrestaurators Leif Vognsen aus dem Jahr 2018 eingebettet.

Über diesen Link finden sich zu dem Runenstein Informationen des Forschungsprojektes "Runes" der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.


Über die Webseite von www.biopix-foto.de kann man ein Foto dieses Runensteins mit rot nachgezeichneten Runen anschauen, was natürlich eine deutlich verbesserte Ansicht darstellt, auch wenn die Runen im Vergleich zu anderen Runensteinen eigentlich gut lesbar sind.


Es gab vormals noch einen zweiten Runenstein in Ferslev (Ferslev Stein 2 - DR 146), der wohl schon zurechtgehauen wurde, nur noch wenige Runenzeichen aufwies und inzwischen leider verschwunden ist. Von Rasmus Henrik Kruse (1841) und Jens Jacob Asmussen Worsaae (1850) wurde er noch in der nördlichen Steineinfassung des Pfarrhofes gesehen. Von Rasmus Henrik Kruse wurde das Maß mit "1 Qv. 3 ½ Tom. lang (ca. 25 cm)" angegeben. Die Runenzeichen seien "2 Tom. lange" gewesen. Jens Jacob Asmussen Worsaae (*14.03.1821 - †15.08.1885, dänischer Archäologe und Vorgeschichtler. Er zählt zu den Wegbereitern der prähistorischen Archäologie) hat in seinem Notizbuch zu seiner antiquarischen Reise durch Jütland im Jahr 1850 (Wird heute im Nationalmuseum Kopenhagen, Antikvarisk - Topografisk Arkiv verwahrt) folgenden Eintrag hinterlassen: "Præstegårdens havedige mod nord en lille stump ".

Durch Magnus Petersen konnte er 1870 untersucht werden, aber er zeichnete ihn wohl nicht. Im Nationalarchiv in Kopenhagen existiert ein anonymer, undatierter Abdruck (rechte Abbildung). Daneben liegt dort noch eine Zeichnung von Rasmus Henrik Kruse (*07.08.1796 - †30.05.1877, Landschaftsmaler) - Linke Abbildung. Beide sind in "Danmarks Runeindskrifter, Jacobsen/Moltke, 1941, Atlas", S. 134, als Nr. 356-357, wiedergegeben. Einen Scan dazu habe ich aus dem in meinem Besitz befindlichen Exemplar gemacht (Bei dieser Arbeit ging mir meine "wissenschaftliche Assistentin" Anthea zur Hand! :-)

Auch Ludv. F. A. Wimmer hat bei seinen beiden Besuchen in Ferslev (13.August 1878 und nochmals am 22.07.1882) erfolglos nach diesem Bruchstück gesucht.