81 - Egtved - Letztes Update 05.10.2025
Listennummer : DR 37 / DK SJy 6
Navidaten: 55.61992 9.30075 oder: Fyrre Alle 6, 6040 Egtved
Transliteration: ...at : fai(n) [:] (t)u : i suiu : raist | ...uþiR : aft : bruþur | stain : sasi : skarni :

Dies
ist ein
Luftfoto vom 02.04.2023 von
Skråfoto,
das die Kirche von Egtved
zeigt (Bild zugeschnitten).
Dieser
Runenstein wurde im Januar
1863
durch den Maurermeister Anders Nielsen aus
Starup bei der
Restaurierung der Kirche in
Egtved entdeckt. Der
Stein saß
inwendig in der südlichen Kirchhofeinfriedung von
Egtved, etwa
10 Fuß (ca.3,15 m) vom Eingangstor entfernt. Daraufhin wurde er
herausgenommen und im Waffenhaus aufgestellt, wo er sich
noch heute befindet.
Nach Auffassung von
Lis Jacobsen
(*29.01.1882 -
†18.06.1961, dänische Runologin und Archäologin -link-LIVES
Bildquelle:
Wikipedia - Lizenz:
Public Domain
könnte "suiu" den Siedlungsnamen Svia in der Gemeinde
Vaksala, Uppland, Schweden, abdecken (
Der Inschriftpassus „den Gemalten“ bedeutet vielleicht, dass er tätowiert war.
Die Inschrift wird von den Runologen in die Zeit von 900-1020 datiert. Sie verläuft wie hier dargestellt in der sogenannten Parallelanordnung und bustrophed (Wechselnde Schreibrichtung - "hin und her wie ein Ochse beim Pflügen"). Allerdings ist die Deutung nicht einwandfrei, da wohl größere Teile des Steins / der Inschrift fehlen.

Bildquelle: Dänische Runendatenbank - Foto von Erik Moltke (siehe auch unten)
Diese Aufnahmen wurden von mir bei meinem Besuch in Egtved am Dienstag, 23.08.2016, aufgenommen (vergößerte Darstellung bei Mausklick aufs Bild):
Zuvor war ich am Mittwoch, 15.08. 1990 und am Freitag, 26.09.2003, schon an der Örtlichkeit gewesen.
Im Rahmen meiner 2022er Jütland Wikingertour war ich am Samstag, 18.06.2022, vor Ort. Die Kirche ist ausweislich einer Info in der Kirche wirklich täglich von 08.00 bis 16.30 Uhr geöffnet. Auf deren Homepage findet sich dieser Hinweis auch.
In den beiden großen dänischen Runenwerken wurden jeweils
Zeichnungen von
Prof.
Julius Magnus Petersen
(*04.09.1827 -
†31.01.1917, Archäologischer
Zeichner und Restaurator -
link-LIVES -

Bildquelle: Fotografie von 1903 von Fotograf Marius Christensen (*24.06.1874 - †25.06.1907) - Det Kgl. Biblioteks billedsamling - Lizenz: Public Domain / Kgl. Bibliothek - Visitenkarte Pappschachtel Thorsen 5 - eigenes Foto
aufgenommen.
Zunächst bei Prof. P. G. Thorsen (*07.08.1811 - †06.05.1883, Bibliothekar, Runenforscher und Historiker - link-LIVES - Artikel: Levnedsbeskrivelser af de ved Københavns Universitets Firehundredaarsfest promoverede Doktorer, Illustreret Tidende 1882, Nr. 1235 - vom 27.05.1833 / Grabstein in Varde / Eheschließung in Varde am 19. August 1848)
Bildquelle: Fotografie
zw. 1863-1900 von
Fotograf Budtz Müller (*26.12.1837 -
†30.12.1884) -
Det Kgl. Biblioteks billedsamling - Lizenz:
Public Domain
in seinem Werk "De danske runemindesmærker beskrevne og forklarede, anden Afdeling, Jyllands Runemindesmærker, Afbildninger og Text, I. Afbildninger, 1879 - Nr. 13".
Eigener Scan aus dem in meinem Besitz befindlichen
Buchexemplar.
In seinem 1880 erschienenen Textband II macht er auf den S. 31 bis 34 Ausführungen zu diesem Runenstein.
P.
G. Thorsens
Nachlass (Bezeichnet
als:
P. G. Thorsens optegnelser, tegninger m.m. vedrørende runer og runemindesmærker
-
überführt aus der Kopenhagener Universitätsbibliothek 1929 -
Gemäß Ministerialschreiben vom 04.03.1929; früher benannt als
Additamenta 612 kvart - findet sich in der
Königlichen Bibliothek unter
NKS 3296 (in mehreren einzelnen Pappschachteln). In der
Pappschachtel Nr. 4 sollte sich laut
Lis Jacobsen/Erik Moltke
- Danmarks Runeindskrifter - 1942 - Text - Nr. 37
- Sp. 62 ein Brief von
vom 01.04.1863 mit einer Zeichnung befinden - Leider Fehlanzeige.
In der Schachtel Nr. 17 fand sich wie bei Lis Jacobsen/Erik Moltke - Danmarks Runeindskrifter - 1942 - Text - Nr. 37 - Sp. 62 vermerkt ein Brief von George Stephens (*13.12.1813 - †09.08.1895, englischer Archäologe und Philologe)
Bildquelle:
Minder fra min Virksomhed paa Arkæologiens
Omraade fra 1845 til 1908 von
Magnus Petersen auf der
Seite 265 - Lizenz:
Public Domain
vom 16.06.1872, den ich bei meinem Besuch in der Königlichen Bibliothek am 27.09.2022 fotografieren durfte. Eine Zeichnung von Prof. Magnus Petersen von 1875 fand ich darin leider auch nicht, obwohl sie da sein sollte.
In der Zeitschrift "Antiqvarisk tidskrift för Sverige, Band X, 1887-91" findet sich in dem Aufsatz von Erik Brate (*13.06.1856 - †11.04.1924, schwedischer Linguist und Runologe)
Bildquelle:
Wikipedia
- Lizenz:
Public Domain
mit dem Titel "Runverser" auf der S. 70 ein kurzer Beitrag zu dem Wort "isuku" in der Inschrift von Egtved. Es wird stattdessen die Lesung "suiku" vorgeschlagen. Brate setzt sich dort ab der S. 66 Nr. 19 mit und Forschungen von Sophus Bugge (*05.01.1833 - †08.07.1907, norwegischer Philologe / Runologe)
Bildquelle:
Wikipedia
- Lizenz:
Public Domain
und mit der uppländischen Inschrift von Torsätra (Nr. 614 / S. 21 in der pdf Datei - Infos auch hier - oder U614) auseinander.
Prof. Ludv. F. A. Wimmer
(*07.02.1839 -
†29.04.1920, Philologe und Runenforscher
-
link-LIVES
Bildquelle:
Fotografie zw. 1877-1900 von Fotograf Hansen & Weller
-
Det Kgl. Biblioteks billedsamling - Lizenz:
Public Domain

Über die tatsächlich erkennbaren Runen unternahm er darin diesen Versuch die Inschrift so zu vervollständigen, wie sie seiner Auffassung nach ursprünglich ausgesehen haben könnte:

Er hält aber auch fest, dass die Inschrift verschiedene Schwierigkeiten aufweist, die sich wohl nicht auflösen lassen, sofern nicht das fehlende Stück des Steins gefunden wird.
Bildquelle: Fotografie um 1875 von Fotograf
Lauritz Olsen (*24.03.1834 -
†25.05.1899)
-
Det Kgl. Biblioteks billedsamling - Lizenz:
Public Domain
Ludv. F. A. Wimmer
In seinen Unterlagen in der Königlichen Bibliothek befinden sich unter "III - Originaltegninger af de danske Runemindesmærker, udførte paa Undersøgelsesrejserne af Magn. Petersen og kontrollerede paa Stedet af Ludv. Wimmer, samt Prøvetryk af de paa Grundlag af de nævnte Tegninger, Aftryk o. s. v. til „De danske Runemindesmærker" udførte Afbildninger med Wimmers Rettelser"

zu dem Runenstein von Egtved unter der Nr. 25 diese Zeichnung vom 17.07.1878, die ich bei meinem Besuch in der Bibliothek am 27.09.2022 fotografieren durfte.
Von Hugo Gering (* 21. September 1847 - † 3. Februar 1925, deutscher germanistischer und skandinavistischer Mediävist)
Bildquelle:
Wikipedia - Lizenz:
Public Domain
wurde in der Zeitschrift für deutsche Philologie, Ausgabe 1906, ein Aufsatz mit dem Titel "Neuere Schriften zur Runenkunde. III" auf den S. 124 - 143 veröffentlicht. Auf der S. 130 kommt er auf diesen Runenstein in Egtved zu sprechen.
"Die verstümmelt überlieferte inschrift des steines von Egtved (J nr. 8) ist mit Sicherheit nicht zu ergänzen; die von Wimmer ausdrücklich als versuch bezeichnete herstellung: [þurbiaurn raisþi stain þansi] (a)t Fainlu i Suku; raist [runaR br]uþiR aft bruþur; stain sasi skarni . . . halte ich nicht für glücklich, da weder der männliche eigenname Fainla (d. i. *Fenla? got. *Fanilꝺ?) sonst sich findet noch auch der Ortsname Suka (d. i. * Sokka?) in Dänemark sich nachweisen lässt...." und weiter:
"...Indem ich nämlich annehme, dass Bugge mit seiner Vermutung isuku als suiku zu lesen (Antiqv. tidskr. f. Sver. 10 - S. 70) das richtige getroffen hat, möchte ich die nachstehende ergänzung als eine immerhin mögliche in anspruch nehmen: [Tutki sati stain aft Ala ias fiantR] (a)t Faintu isuku (lies suiku); raist [runaR. br]uþiR aft bruþur; stain sasi skarni . . Ich bemerke dazu, dass auf dem steine ebenso gut faintu wie fainlu gelesen werden kann, da der kopf der vorletzten rune beschädigt ist und nehme an, dass das wort in phonet. transscription durch Fendo zu geben ist, das ich für den altdän. namen von Venedig halte (in westnordischen quellen heisst die stadt Fenedi oder — mit überaus glücklicher volksetymologischer umdeutung — Feney): ist es eine zu kühne hypothese, dass der mann, zu dessen gedächtnis der bruder den stein errichtete, auf einer wikingerfahrt ins Adriatische meer verschlagen wurde und in der nähe von Venedig durch verrat seinen untergang fand ? Die gegner des getöteten können natürlich deutlicher bezeichnet gewesen sein, und die beiden männl. eigennamen sind nur aufs geratewol ihrer kürze wegen gewählt, um mit dem knapp bemessenen raume einer zeile von ca. 24 zeichen auszukommen. Völlig rätselhaft ist auch mir das letzte wort der inschrift: dass an den dat. des bekannten, allen nordischen sprachen gemeinsamen neutrums nicht gedacht werden kann, leuchtet ein, was aber hier sich versteckt, wird vermutlich immer verborgen bleiben, falls nicht die ergänzenden bruchstücke einmal in der kirchhofsmauer von Egtved noch aufgefunden werden sollten."
Durch Marius Kristensen (*27.04.1869 - †02.11.1941, Dr. phil. Hochschullehrer, Dänischer Sprachforscher - link-LIVES - Begravelsesprotokoller)
Bildquelle:
Denstoredanske.lex - Lizenz:
Public Domain
Dieses Foto des Runensteins stammt von dem Uhrmacher und Amateurfotograf Thomas Ludvig Thomsen (*21.03.1867 - †28.02.1935 - link-LIVES) aus Kolding
Bildquelle:
Kolding Stadsarkiv
- Lizenz:
Public Domain
und wurde wohl um 1925 aufgenommen - und wird heutzutage in dem "Kolding Stadsarkiv" aufbewahrt.

Quelle: arkiv.dk - Download 27.03.2022 - unveränderte Wiedergabe
Dieses Foto hat
Erik Moltke
(*04.04.1901 - †19.10.1984, Runologe, Historiker)
Bildquelle: Scan von Buchumschlag "Runerne i Danmark og ders
oprindelse" - Erik Moltke - 1976 -
Lizenz:
CC-BY-SA

Durch
Lis Jacobsen
(*29.01.1882 -
†18.06.1961, dänische Runologin und Archäologin -link-LIVES
Bildquelle:
Wikipedia - Lizenz:
Public Domain

Übersetzt: "Damit wären die Egtved Rätsel gelöst: Die gesamte Inschrift kann reproduziert werden: ...
Wiedergabe der Inschrift
...alle drei Abschnitte weisen enge Parallelen in zeitgenössischen dänischen und schwedischen Runendenkmälern auf; Die Inschrift liefert ebenso wenig Anhaltspunkte für eine verborgene Abrechnung wie für einen betrügerischen Mord in Venedig.
In dem später erschienenen großen Standardwerk "Lis Jacobsen/Erik Moltke - Danmarks Runeindskrifter - 1942 - Text" hat man aber diesen Vorschlag nicht umgesetzt.
Im Vorfeld zu dem 2016 erschienenen Buch von Lisbeth M. Imer (*1973, Runologin am Nationalmuseum Kopenhagen) "Danmarks Runesten - en fortælling" reiste sie mit dem Fotografen Roberto Fortuna zur Bestandsaufnahme durch die Lande. Dieser hat die Runensteine abends bei Dunkelheit mit Schräglicht aufgenommen und darüber wirklich herausragende Fotos erzielt. Diese Aufnahme entstand am 08.11.2011.

Die Informationen zu diesem Runenstein aus der dänischen Runendatenbank finden sich hier.
Der entsprechende Eintrag in "Fund og Fortidsminder" ist hier verlinkt. Dort ist inzwischen auch ein Zustandsbericht des Steinkonservators Leif Vognsen aus dem Jahr 2018 eingebettet.
Über diesen Link finden sich zu dem Runenstein Informationen des Forschungsprojektes "Runes" der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.
Heutzutage kann man auch via Google StreetView von zu Hause aus seelenruhig durch die Kirche von Egtved spazieren und sich alles in Ruhe anschauen. Eine tolle Sache! Den Kleiderständer hätte man aber besser vorher - vor dem Runenstein - wegstellen können! :-(
Über die Webseite der Egtved Kirche finden sich außerdem zu allen Bauabschnitten / zum Interieur umfassende Erklärungen in dänischer Sprache und am Ende der Seite noch eine durchlaufende Bilderfolge.
Auf den Webseiten des Nationalmuseum in Kopenhagen - Danmarks Kirker - kann man eine in dänischer Sprache gehaltene 98-seitige, bebilderte Abhandlung als pdf-Datei zur Baugeschichte/Innenausstattung der Kirche von Egtved aus dem Jahr 2023 abrufen.