23 - Aggersborg - Letztes Update 05.08.2025
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Im Vesthimmerlands Museum in Aars (Vesthimmerlands Museum - Søndergade 44 - 9600 Aars) wird im Zeitraum vom 31.05.2024 bis zum 16.03.2025 eine Sonderausstellung zu der ersten und größten wikingerzeitlichen Ringburg - der Aggersborg - gezeigt. Die Ringburg hat auch eine neue Webseite erhalten - https://aggersborg.com/ - wobei auch die vormalige Webseite aktuell weiterhin abrufbar ist - https://www.vesthimmerlandsmuseum.dk/aggersborg

Über diesen Link findet man einen 1.36 minütigen Drohnenflug über Aggersborg, der sich auf der Informationsseite des dänischen Nationalmuseums in Kopenhagen zur Bewerbung für die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO befindet.
Gestern, am 17.09.2023, wurde in Riad in Saudi-Arabien auf der 45. Sitzung des Welterbekomitees der UNESCO beschlossen, die dänischen wikingerzeitlichen Ringburgen - Aggersborg, Fyrkat, Nonnebakken, Borgring und Trelleborg - zum Welterbe zu erklären. Herzlichen Glückwunsch! Zusammengefasste Informationen zur Bewerbung - in englischer Sprache - finden sich auf einer Webseite des dänischen Nationalmuseums.
Dieses Luftfoto zeigt die Aggersborg über den Limfjord hinweg und die sie umgebende Landschaft in Richtung Norden sehr schön. Ich weiß leider nicht mehr woher ich es habe. Falls sich der Rechteinhaber an der Verwendung hier stören sollte, bitte ich um Kontaktaufnahme.

Im Rahmen meiner 2022er Jütland Wikingertour nahm ich mir mal wieder die Zeit und war am Donnerstag, 02.06.2022, vor Ort. Dabei konnte ich bei sehr schlechtem, kalten Wetter in Aggersborg diese Fotografien anfertigen:
Bei meinem Besuch am 23.08.2013 habe ich diese Fotos aufgenommen:
Die unmittelbar neben dem Ringwall gelegene Kirche und das kleine Ausstellungsgebäude mit Innenansichten.
Der im Gelände angedeutete Ringwall der Aggersborg in einigen Ansichten.
Einen mehrsprachigen Flyer zur Aggersborg (auch in deutsch) findet man im Internet hier.
Eine in englischer Sprache gehaltene, wissenschaftliche Seite zur Archäologie der Aggersborg findet man hier.
Auf
einem Acker zwischen der
Kirche von Aggersborg und
dem Hofgut
Aggersborg, gegenüber von
Løgstør, war einst eine
wikingerzeitlichen Ringburg von
imponierenden Ausmaßen aufgeführt. Sie wurde auf dem Vorsprung einer
abfallenden Kuppe an der Nordküste des ausgedehnten Fjordsystems des
Limfjord angelegt.
Bei den ersten archäologischen Untersuchungen, die in den Jahren 1945-1949 unter der Leitung des Museumsinspektors C. G. Schultz (Peder Berthold Carl Georg Schultz - *29.08.1905 - †17.07.1958, Architekt und Archäologe)
Bildquelle:
KUML 1958 -
Nachruf C. G. Schultz 1905-1958 - Lizenz:
CC-BY-SA
durchgeführt
worden sind, ergab sich, dass es sich um eine Anlage desselben Typs wie
Fyrkat in
Nordjütland,
Trelleborg auf
Seeland
und
Nonnebakken in
Odense /
Fünen
handelt.
Bis
1976 wurden dann noch weitere vereinzelte Untersuchungen durchgeführt.
Inzwischen wurde der Ringwall und
der Wallgraben teilweise angedeutet. Neben der
Kirche wurde ein kleines
Ausstellungsgebäude eingerichtet.
Aggersborg
war
die mächtigste der genannten Ringburgen. Der Plan entspricht dem der anderen
Wikingerburgen, hat aber größere Ausmaße und wurde um 8 Hauskarrees im Innern
der Burg erweitert, so dass
Aggersborg 48
Häuser aufgewiesen hat. Die Anlage hatte einen inneren Durchmesser von 240 m
und war von einem wenigstens 3 m hohen Ringwall umgeben,
der aus Erde und Torf über einer Skelettkonstruktion aus schweren Planken
aufgeworfen und außen mit waagrechten Holzplanken bekleidet und durch
Querabsteifungen gesichert war.
Da
Aggersborg ein
Stück landeinwärts auf einer breiten Landzunge liegt, war es notwendig
gewesen, sie ganz mit einem Wallgraben zu umschließen. Ein 8 m breiter Absatz
trennt den Wall vom äußeren Wallgraben, der nur 5 m breit und 1,3 m tief war.
Vier
Tore im Wall standen in Verbindung mit zwei Holzbohlenstraßen, die die ganze
Anlage in nord-südlicher und ost-westlicher Richtung durchschneiden. Im Kreuz
zwischen den beiden Straßen stand ein Wachturm auf 4 schweren Pfosten. Die Häuser
lagen zu je 4 vereinigt um einen Hofplatz, 12 in einem Viertel der Anlage, die,
durch kurze Querstraßen voneinander getrennt, rechtwinklig an den Hauptstraßen
lagen. Die Längswände der Aggersborg waren
weniger stark gebogen als die der Trelleborg.
Hingegen waren die Giebel breiter gewesen. Der Ausgräber gelangte zu der
Auffassung, dass die Längswände nicht mit senkrechten dichtgestellten Planken
(Stabbohlen) errichtet waren, sondern dass man sie mit lehmbeworfenem Flechtwerk
zwischen den senkrechten Pfosten verschlossen hatte, während die Giebel mit
waagrechten Planken (Bohlenwerk) ausgefüllt waren.
Die angewandte Maßeinheit entspricht auch bei der Aggersborg ungefähr einem römischen Fuß (ein römischer Normalfuß entspricht 29,57 cm / berechnetes Mittelmaß des Trelleborgfußes entspricht 29,33 cm), der sich in allen Hauptmaßen der Burg nachweisen lässt.
So
sind zum Beispiel die Häuser 110 Fuß lang, der innere Ringwallradius hatte 407
Fuß betragen und der viereckige Mittelplatz die Maße von 72 x 72 Fuß.
Bei
den Untersuchungen konnte auch festgestellt werden, dass ein älteres Dorf
weichen musste, um Platz für die
Aggersborg zu
schaffen. Das Dorf bestand aus 8 Langhäusern und mehr als 100 Ost-West
gerichteten, mit Abfall gefüllten Grubenhäusern, ohne Herdstellen, aber stets
mit einem kräftigen Pfostenloch an dem einen Schmalende, deren Pfosten einen
waagrechten Längsbalken, vielleicht einen Dachfirst, getragen haben müssen.
Dass hier bedeutende Menschen lebten, bezeugt der Fund eines 41 m Langhauses mit
nicht weniger als 9 Räumen. In einem der Pfostenlöcher des Hauses fand man
einen Goldring (Länge: 8,2 cm/Gewicht 71,2 g/10 Jh.). Dieses Dorf wurde um
700
gegründet und durfte damit knapp 300 Jahre bestehen, ehe es vermutlich brutal
geschleift wurde.
Die
Tatsache, dass die fünf bekannten Ringburgen alle mit der gleichen Maßeinheit
und, soweit man beurteilen kann, innerhalb von wenigen Jahren angelegt worden
sind, beweist, dass sie nach dem Wunsch desselben Bauherren und von denselben
Baumeistern nach einem wohlüberlegten, großzügigen, das ganze Land
umfassenden Plan aufgeführt worden sein müssen.
Durch
Jahresringmessungen (Dendrochronolgie) an dem im
Trelleborg Wallgraben verwendeten Holz, konnte
nachgewiesen werden, dass die Bäume für
den Bau der Burganlage im Winterhalbjahr 980-981
gefällt und vermutlich im
folgenden Sommer zum Bau genutzt worden sind. Die
Aggersborg,
bei deren Untersuchung keine Funde gemacht wurden, die eine Datierung zuließen,
wird demzufolge in die gleiche Zeit zu legen sein. Als Bauherren wird man
demnach, den für diese Zeit historisch bezeugten
König Harald Blauzahn (ca.
940-985) annehmen müssen.
Über größere Sicherheit verfügt man bezüglich dem Untergang der Burg, da der Odenseer Mönch Ælnoth, der ca. 1120 das Leben Knud IV. des Heiligen (1043-1086) schildert, die Zerstörung der Königsburg Aggersborg in Zusammenhang mit dem Aufruhr der Vendsysselbewohner gegen König Knud im Jahre 1086 schildert.
Sie
griffen Knud und sein Gefolge an, die im
Aggersborg
Kongsgård
übernachteten - dachten die Aufrührer. Denn
Knud, der offenbar gut täuschen
konnte, hatte sich selbst mit nur wenigen Leuten in einem bescheidenen Hof, der
etwas entfernt lag, einquartiert, wodurch er überlebte und weiter fliehen
konnte, während sein Gefolge grausam massakriert und der
Königshof niedergebrannt wurde. "Einige zerrten die Nackten aus dem Bett, einige hängten
sie draußen an den Türen auf, andere warfen sie ins Wasser.... Einige sinken
tot oder verwundet zu Boden wie
zerrissenes Wild", schrieb der besagte Mönch.
Der Königshof wurde jedoch nach
Knuds dramatischem Tod in der
Odense Domkirke
(Dom von Odense), wo die "Jyder" ihn schließlich erwischten, wieder
aufgebaut. Bei der Gelegenheit kann auch
Nonnebakken erstürmt
und verbrannt worden sein.
Eine
neue Königsburg wurde später an die strategisch wichtige Überfahrtsstelle am
Limfjord gebaut,
möglicherweise da, wo jetzt der
Herrenhof
Aggersborg liegt.
Diese mittelalterliche Burg wurde aufs neue in Brand gesteckt und geplündert,
und zwar zum ersten Mal während des Aufruhrs der Großen gegen
Valdemar
Atterdag (1321-1375) um 1370 und später
während des Bürgerkriegs im Jahre 1441, also in der Zeit
Königs Christoffer
von Bayern (1439-1448). Der jetzige
Hof stammt von 1758.
Eine
der Ursachen für
Aggersborgs große
Bedeutung war, dass dort nicht nur ein ost-westlich verlaufender Wasserweg einen
nord-südlich verlaufenden Landweg
kreuzte. Es gab auch einen nord-südlich verlaufenden Seeweg. Mit einem
Wasserstand, der vielleicht knapp einen Meter höher war als heute, sah die Küstenlinie
des
Limfjords an etlichen Stellen in
der Wikingerzeit anders aus. Im
Nordwesten lag eine große, flache Meeresbucht. Ortsnamen wie
Thorup
Fjordholme,
Klim Odde, Korsholm und Gøttrup
Holme, die
heute weit im Landesinnern liegen, beschreiben, die mögliche Ausdehnung der
Bucht. Nur eine ca. fünf Kilometer breite Land- oder vielleicht eher Sandzunge
hat diesen Fjord von der
Jammerbucht im
Norden getrennt, und durch diese Landzunge gab es wahrscheinlich einen Kanal.
Hierzu führte das Institut für Geologie und Geotechnik und die
DTU (Dänemarks
technische Universität) mit Unterstützung durch das Marinearchäologische
Forschungszentrum in
Roskilde eine
Untersuchung des Gebietes mit Georadar durch. Zwischen
Fjerritslev und
Svinkløv konnte
20 m unter dem Flugsand eine nordost-südwestwärts verlaufende, fast
100 m
breite Rinne beobachtet werden, die allem Anschein nach Wasser geführt hatte.
Die Untersuchung der Mündung dieser Rinne in die Nordsee ist noch nicht abgeschlossen, aber von dem 44m hohen Søbakke nördlich der Kollerup Plantage breitet sich eine trichterförmige Senke im Gelände nach Grønnestrand zwischen Borgstuebakken und Stenbjerg aus.
2014 kam ein knapp 500 Seiten starker, reich illustrierter Band über die Aggersborg in dänischer Sprache heraus (Aggersborg i vikingetiden. Bebyggelsen og Borgen - roter Einband / Englische Ausgabe "Aggersborg - The Viking-Age settlement and fortress" - blauer Einband). Darin enthalten sind die Ergebnisse der jahrelangen Forschung, insbesondere die Ergebnisse der Ausgrabungen aus den Jahren 1945-52. Im hinteren Einbanddeckel sind auch drei herausnehmbare separate Faltpläne der Burg in verschiedenen Maßstäben eingelegt, in die die Ausgrabungsbefunde eingezeichnet sind.
Die Informationen in "Fund og Fortidsminder" zur Aggersborg finden sich hier.
Literaturhinweise:
Else Roesdahl, Søren Michael Sindbæk, Anne Pedersen hrsg. - Aggersborg i
vikingetiden - Bebyggelsen og borgen - 543
sider - rigt ill. - med planche (roter Einband) - auch als
englischsprachige Ausgabe:
Søren Michael Sindbæk - Aggersborg. Vikingetidens ringborge - Vol. 2. - 144 pages - ill.